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Denkanstoß
Hoffnung und Zuversicht
Foto: Archiv
Von Gert Holle


An einem Tag wie heute werden Blicke in die verborgene Zukunft vom leisen Hoffen bestärkt. Hoffnung ist Ermutigung. Trost. Ist auf das Positive gerichtet. Wir hoffen auf das Gute und warten, dass es uns begegnet. Irgendwann. Wir warten und haben Erwartungen, die für Außenstehende nicht immer von Logik geprägt sind. Schon der Römer Ovid notierte vor 2000 Jahren: „Hoffen und harren machen manchen zum Narren.“ Doch worauf warten wir? - Die täglichen Herausforderungen an unsere Geduld sind bekannt: Wir stehen auf dem Weg zur Arbeit im Stau auf der A5. Kranke Menschen warten in der Arztpraxis auf die Diagnose – ein Wechselbad zwischen Hoffen und Bangen. Wir warten auf bestimmte Ereignisse, hoffen auf die Liebe eines anderen Menschen. Nicht immer kommt wie im Märchen die gute Fee vorbei und verwandelt den Frosch in einen Prinzen. Oft genug sind wir enttäuscht. Weil wir im Warten verharren?

Die Bibel ist voll von enttäuschten und trügerischen Erwartungen. Beispiele gefällig? Mose kommt vom Berg Sinai, auf dem er die Gebote von Gott empfangen hatte, zurück ins Lager. Die Israeliten haben in der kurzen Zeit der Abwesenheit des Mose einen eigenen Gott gebastelt, ein Stierbild aus Gold, das "goldene Kalb" - Die Erwartung des Mose? Enttäuscht! - „Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?“ befragt Jesus die ihn umringende Menge zu ihren Erwartungen an Johannes den Täufer. Ohne eine Antwort abzuwarten, klärt er sie auf, dass Johannes größer ist als alle Propheten, um sie aber im gleichen Atemzug wieder auf den Boden zu bringen: „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.“ – Sie kennen die Gethsemane-Geschichte: Jesus betet, dass der Kelch des Leidens an ihm vorübergehen möge, dass ihm der Tod am Kreuz erspart bliebe. "Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst", sagt er zu seinem Vater. Jesus hofft, dass er in dieser schweren Stunde im Gebet von seinen Jüngern unterstützt würde, dass sie mit ihm beten würden. Er kommt zurück - die Jünger, sie schlafen! "Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?"

Auch in der Kunst treffen wir auf das Motiv der unerfüllten Erwartungen. In Thomas Manns früher Erzählung „Enttäuschung“, die 1896 entstand und 1898 erstmals im Novellenband „Der kleine Herr Friedemann“ erschien, pflegt ein sonderbarer Herr zwischen 30 und 50 auf der Piazza San Marco in Venedig auf und ab zu gehen, bis er eines Tages den Ich-Erzähler anspricht und ihm seine „Enttäuschung“ erklärt: „Wissen Sie, mein Herr, was das ist: Enttäuschung? fragte er leise und eindringlich, indem er sich mit beiden Händen auf seinen Stock lehnte. - Nicht im Kleinen und Einzelnen ein Misslingen, ein Fehlschlagen, sondern die große, die allgemeine Enttäuschung, die Enttäuschung, die alles, das ganze Leben einem bereitet? Sicherlich, Sie kennen sie nicht. Ich aber bin von Jugend auf mit ihr umhergegangen, und sie hat mich einsam, unglücklich und ein wenig wunderlich gemacht, ich leugne es nicht.“ - In Samuel Becketts Theaterklassiker warten die beiden Landstreicher Estragon und Wladimir auf eine ominöse Person namens Godot, die nie kommt. Die es vielleicht gar nicht gibt. Eine Satire auf die religiösen Hoffnungen des Menschen. Warten auf Gott als Endlosschleife? –

Was erwarten Sie für das kommende Jahr? Wonach halten Sie Ausschau? Woraus gewinnen Sie ihre Zuversicht? - Die christliche Gemeinschaft schöpft gerade aus dem, was Gott uns verheißen hat und was in Jesus Christus bereits sichtbar geworden ist, Kraft. Kraft, die Zustände, so wie sie sind, gerade nicht hinzunehmen. Kraft, tatkräftig an der Veränderung mitzuwirken. Kraft, Zeichen der Hoffnung zu setzen, sowohl im persönlichen wie auch im gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Bereich. So könnte denen, die solcher Hoffnung auch bedürfen, angedeutet werden, dass sich durch eine Veränderung der Verhaltensweisen und Handlungen, Hoffnungen erfüllen können. Dass das Warten nicht sinnlos und narrenhaft ist, wenn es eben nicht bei einem Verharren in Passivität bleibt, sondern mit Aktivität verbunden wird. Übrigens: Das Wort Hoffen hat den gleichen Wortstamm wie „Hüpfen“. Hoffen könnte so mit ein wenig Phantasie auch als Aufforderung verstanden werden, aus den eigenen Erwartungen aufzuspringen und mit zuversichtlicher Einstellung an die Zukunft, an das neue Jahr heranzugehen. Mut kann uns dabei die Losung für das Jahr 2017 machen. „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ Ich stelle mir vor, dass das erneuerte Herz lebendig pulsiert und belebend schlägt. Dass es voll von überfließender Lebensfreude und Wärme für andere ist. Wofür unser Herz schlägt, dafür setzen wir uns ein. Mit voller Kraft. Unser Herz entscheidet, wofür wir kämpfen: Ideen, Weltanschauungen, Politik, Mitmenschen. - Mögen sich unsere Herzenswünsche für das neue Jahr gewogen auf uns auswirken, damit Zuversicht unsere Gegenwart bereichern kann! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Jahreswechsel und Gottes gutes Geleit für 2017.

Ihr Gert Holle



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Autor: Gert Holle; Foto: Archiv - 1.1.2017
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