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Journal / Glaube,Liebe,Hoffnung
Weihnachten in Bethlehem: Drei Generationen, ein Krankenhaus
Suhair ist eine liebevolle Mutter. Auch im Caritas Baby Hospital ist sie immer an der Seite des kleinen Andrew. Foto: Caritas / Meinrad Schade

Die Geschichte einer Olivenholzschnitzer-Familie erzählt, die bereits in 3. Generation Hilfe im Caritas Baby Hospital in Bethlehem
(Bethlehem/caritas) - Eine Familiengeschichte aus Bethlehem: Bereits in der Schwangerschaft erfährt Suhair, dass ihr Sohn mit einem angeborenen Nierenleiden auf die Welt kommen wird. Nur durch rasche und professionelle medizinische Hilfe können Spätschäden verhindert werden. Suhair entscheidet sich, ihren Sohn im Caritas Baby Hospital behandeln zu lassen. Sie kennt das Krankenhaus aus ihrer eigenen Kindheit sehr gut. Nicht, weil sie selbst krank war, sondern weil ihr kleiner Bruder Ala seine Schwester bei sich haben wollte. Der Junge mit Down-Syndrom war oft wochenlang im Krankenhaus und Suhair blieb bei ihm, wenn sich die Mutter daheim um die anderen Geschwister kümmern musste. Seither sind über 15 Jahre vergangen. Vieles hat sich in dieser Zeit verändert. Suhair ist zuhause ausgezogen. Sie hat geheiratet und ein Jahr später Matthew zur Welt gebracht. Als sie ihren zweiten Sohn erwartete, teilte ihr der Frauenarzt mit, dass etwas mit einer Niere des Kindes nicht stimme. Mit Blick auf die Ultraschallbilder riet er der Hochschwangeren, den Jungen nach der Geburt umgehend genau untersuchen zu lassen. „Ich war sehr erschrocken und verunsichert. Aber im selben Moment kam mir das Caritas Baby Hospital in den Sinn. Das gab mir Ruhe. Es fühlte sich vertraut an.“



Wie oft war sie an der Hand ihrer Mutter durch die Pforte ins Caritas Baby Hospital getreten. Wie oft hatte sie sich darüber geärgert, dass sie noch nicht über die Balustrade an der Anmeldung sehen konnte. Und wie oft hatte sie sich dort von ihrem kleinen Bruder Ala herumkommandieren lassen. An all das erinnert sie sich, als sie wenige Tage nach Andrews Geburt mit ihm zur ersten Untersuchung ins Krankenhaus geht. Suhair ist in Sorge und doch voll Vertrauen.



Seit seiner Geburt wurde der kleine Andrew nun regelmäßig untersucht und mehrfach stationär aufgenommen. Suhair hat jeweils in der Mütterabteilung übernachtet, um möglichst nah bei ihrem Sohn zu sein. Manchmal fragt sich Suhair, ob sie Andrew nicht zu viel Aufmerksamkeit zukommen lässt und Matthew, sein größerer Bruder, dabei zu kurz kommt. „Ich weiß ja, wie sich das anfühlt“, erzählt sie. „Als Ala mit dem Down-Syndrom auf die Welt kam, änderte sich damals unser gesamtes Familienleben.“

Krippen schnitzen in Bethlehem
Suhairs Vater schnitzt Krippenfiguren. Ein traditionsreicher Beruf in Bethlehem. Doch davon eine Familie zu ernähren, ist sehr schwierig. Foto: Caritas / Meinrad Schade
Suhair und ihre Mutter Nadia haben bis heute ein sehr enges, inniges Verhältnis. Wann immer es möglich ist, kommt Suhair mit den beiden Söhnen ins Haus ihrer Eltern. Dort ist immer etwas los. Es gibt Hühner, im Garten wächst Gemüse und in der Garage duftet es nach Holz, denn Suhairs Vater schnitzt Krippenfiguren, ein typischer Beruf für christliche Familien in Bethlehem. Als Olivenholzschnitzer am Geburtsort Jesu zu leben, klingt irgendwie idyllisch. „Doch davon eine Großfamilie zu ernähren, bedeutet Verzicht und Entbehrungen. Wir hatten wirklich sehr wenig Geld“, erzählt Suhairs Mutter Nadia, während die beiden im Wohnzimmer sitzen und Tee trinken.

Nadia erinnert sich: „Sie glauben gar nicht, wie froh ich war, dass ich unsere sechs Kinder damals im Caritas Baby Hospital kostenlos behandeln lassen konnte. Besonders Ala musste oft für mehrere Wochen stationär aufgenommen werden, er hatte immer wieder gesundheitliche Probleme. Das hängt mit dem Down-Syndrom zusammen.“ Aus eigener Tasche wäre das nicht möglich gewesen. Nach kurzem Zögern fügt die 55-Jährige hinzu:

„Aber es gab neben dem finanziellen Aspekt noch etwas, das für mich in dieser Zeit ausgesprochen wichtig war: Die Menschen dort im Krankenhaus waren nett zu mir. Sie haben mich bestärkt, haben mir Mut gemacht und nicht mit dem Finger auf mich gezeigt. Es fiel niemals ein schlechtes Wort über unseren behinderten Sohn Ala.“

Heute sitzen drei Generationen – Großmutter, Mutter und Kind – im Wartezimmer der ambulanten Sprechstunde im Caritas Baby Hospital. Da kommt zufällig Chefärztin Dr. Hiyam Marzouqa in den Raum, geht direkt auf sie zu und begrüßt die Familie herzlich. „Sie hat sich genau an meine Mutter erinnert, obwohl so viele Jahre vergangen waren. Dr. Marzouqa war damals eine ganz junge Ärztin, wahrscheinlich sogar noch in der Ausbildung“, freut sich Suhair. Als die heutige Chefärztin die junge Frau daran erinnert, wie

sehr sie damals von ihrem kleinen Bruder Ala herumkommandiert wurde, lachen alle. Dankbar. Dann ertönt der Lautsprecher und Suhair wird mit Andrew ins Sprechzimmer gerufen.



Kinderhilfe Bethlehem im Deutschen Caritasverband e.V.

Spendenkonto IBAN DE32 6601 0075 0007 9267 55 www.kinderhilfe-bethlehem.de



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Den Ärmsten helfen, so gut wir können
Bethlehem, Heiligabend 1952: Auf dem Weg zur Geburtskirche sieht Pater Ernst Schnydrig, wie ein verzweifelter Vater sein totes Kind in der Nähe eines palästinensischen Flüchtlingslagers im Morast begräbt. Der Sohn eines Walliser Bauern ist tief erschüttert und handelt: Er mietet ein Haus, stellt 14 Betten hinein und nennt es „Caritas Baby Hospital“. Er gewinnt den palästinensischen Arzt Dr. Antoine Dabdoub und die Krankenschwester Hedwig Vetter für sein Projekt. Nie wieder soll einem Kind am Geburtsort Jesu medizinische Hilfe verwehrt bleiben. Gemeinsam mit dem deutschen und Schweizer Caritasverband gründet Schnydrig 1963 die Kinderhilfe Bethlehem, um die Arbeit in Bethlehem finanziell zu sichern. Das anfängliche Provisorium entwickelte sich zu einem modernen Kinderkrankenhaus. 1978 wurde ein Neubau mit 82 Betten eingeweiht.

Pater Schnydrig hat diesen Festtag nicht mehr erlebt. Er starb wenige Tage vorher. Sein Vermächtnis steht im Grundstein des Neubaus: „Wir helfen den Ärmsten, so gut wir können, und fragen dabei nie nach Nationalität oder Religion.“ Die Arbeit im Caritas Baby Hospital ist bis heute lebendiger Ausdruck christlicher Nächstenliebe. Sie ermöglicht den Kindern Bethlehems seit über 60 Jahren einen besseren Start ins Leben. Mit jährlich mehr rund 40.000 Behandlungen präsentiert sich das Caritas Baby Hospital heute als moderne, leistungsstarke Kinderklinik für alle Familien des Westjordanlandes. Mit seinem umfassenden medizinischen und psychosozialen Angebot strahlt es weit über die Grenzen Bethlehems hinaus. Weltweit genießt die Kinderklinik den Ruf einer Oase der Genesung und des Friedens im Heiligen Land.

Caritas Baby Hospital: Für alle offen
Finanziert und betrieben wird das Caritas Baby Hospital im Westjordanland von der Kinderhilfe Bethlehem. Das Behandlungskonzept bindet die Mütter eng in den Heilungsprozess ihrer Kinder mit ein. In der Mütterabteilung finden die Frauen ein offenes Ohr für ihre Nöte sowie Beratung bei allen Fragen zur Familiengesundheit. Zudem verfügt das Krankenhaus über einen gut ausgebauten und vernetzten Sozialdienst. 2015 wurden rund 40.000 Kinder und Babys stationär oder ambulant betreut. Alle Kinder erhalten Hilfe, unabhängig von Herkunft und Religion. Im Bildungszentrum des Kinderkrankenhauses werden Kurse für eigene Mitarbeitende und externe Fachkräfte angeboten. Nur dank Spenden kann das Caritas Baby Hospital seine Aufgaben erfüllen und Kinderleben retten.

Kinderhilfe Bethlehem – Wir sind da
Die Kinderhilfe Bethlehem macht sich seit über 60 Jahren für Kinder, Mütter und Familien stark, die unter den Auswirkungen des israelisch-palästinensischen Konflikts leiden. Schwerpunkt der Arbeit ist die medizinische Grundversorgung im Caritas Baby Hospital. Besonderen Wert legt die Kinderhilfe Bethlehem auf die Einbindung der Mütter in die Pflege ihrer Kinder während der Behandlung im Caritas Baby Hospital. Die Mütterberaterinnen vermitteln praktikable Hilfen, damit die Eltern die Gesundheit ihrer Kinder nach dem Aufenthalt im Kinderkrankenhaus nachhaltig fördern können. Zudem werden die Familien vom Sozialdienst des Krankenhauses betreut. Darüber hinaus unterstützt die Kinderhilfe Bethlehem kleinere Projekte lokaler Träger in der Region.



Kinderhilfe Bethlehem im Deutschen Caritasverband e.V.

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und ab Januar 2017 dann auch wieder wie gewohnt unter www.glaubeaktuell.net


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Autor: Carmen Sibbing, Leiterin Kinderhilfe Bethlehem im Deutschen Caritasverband e.V.; Fotos: Meinrad Schade; zusammengestellt von Gert Holle - 22.11.2016
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