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Journal / Glaube,Liebe,Hoffnung
Ein Abenteuer der anderen Art - Ein Beitrag zur Themenwoche „Mission Respekt“ der Steyler Missionare
Markus Woettki, der Steyler MaZ-Koordinator für Deutschland (© Pater Vaclav Mucha)

Text: Markus Frädrich
Jedes Jahr leisten junge Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei Steyler Projekten in den Ländern des Südens ihren Dienst an den Ärmsten und Ausgestoßenen. Wie sich die Missionare auf Zeit (MaZ) dieser Herausforderung stellen und welche Rolle der Respekt für den Anderen dabei spielt, berichtet MaZ-Koordinator Markus Woettki.




Während der neunmonatigen Vorbereitungszeit lernen sich die Missionarinnen und Missionare auf Zeit eines jeden Jahrgangs kennen und beschäftigen sich mit der Frage: Was ist Mission? (© Pater Vaclav Mucha)




* Was ist eigentlich das Missionarische an den Missionaren auf Zeit? Was unterscheidet diesen Freiwilligendienst von anderen?

Missionare auf Zeit: Das sind junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, die sich in der Regel ein Jahr lang auf andere Kulturen und Religionen einlassen. Unter dem Motto „Mitleben, Mitbeten, Mitarbeiten“ werden sie Teil einer Gemeinschaft in einem der Wirkungsländer der Steyler und unterstützen die Missionare bei ihren vielfältigen Aufgaben. Sie sind nicht einfach nur Touristen oder Arbeitskräfte in einem anderen Land, sondern begegnen den Menschen und ihrer Kultur vor Ort in einem Dialog auf Augenhöhe und sind auch spirituell gemeinsam mit ihnen unterwegs. In den letzten 34 Jahren haben über 1000 Frauen und Männer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ihren Einsatz mit den Steylern absolviert.



* Was bewegt junge Menschen, sich für ein Jahr auf eine missionarische Erfahrung einzulassen?

Viele reizt nach der Schule das Neue: Sie wollen einfach mal weg, eine Zeit lang die weite Welt bereisen. Schon in der Vorbereitung weisen wir allerdings darauf hin, dass hinter einem MaZ-Jahr mehr steckt als ein Jahr Sonne und Sightseeing. Es geht um ein Abenteuer der anderen Art: Sich ein Jahr lang respektvoll und achtsam auf andere Menschen und Kulturen einzulassen.



* Wie bereiten Sie die jungen Leute überhaupt auf ihren Einsatz vor?

Die Vorbereitungszeit dauert fast neun Monate lang: Ein Zeitraum, in dem sich die jungen Leute gegenseitig kennenlernen und mit dem Thema Mission umfangreich auseinandersetzen können. Verschiedene Wochenendseminare stimmen die MaZ-Anwärter auf ihren Einsatz ein. Zu den Highlights der Vorbereitung zählen die Osterwoche im Kloster und das zweiwöchige Ausreiseseminar kurz vor dem Einsatz.




MaZ-Koordinator Markus Woettki beim Gottesdienst am Ende des jährlichen Ausreiseseminares in Steyl. (© Pater Vaclav Mucha)



* Im Meditationsraum in Steyl hängt ein Zitat von Max Alexander C. Warren: „Erste Aufgabe, wenn wir uns anderen Menschen, anderen Kulturen, anderen Religionen nähern, ist, unsere Schuhe auszuziehen, weil der Ort, dem wir uns nähern, heilig ist.“ Wie bringen Sie den Missionaren auf Zeit bei, ihre Schuhe auszuziehen?

Das ist tatsächlich ein wahrhaft „maziges“ Zitat! Die anfängliche Motivation vieler Missionare auf Zeit ist, vor Ort zu helfen, etwas zu tun, etwas zu bewegen. So unter dem Motto: Die armen Menschen da brauchen doch meine Hilfe! Im Laufe der Vorbereitungszeit wird dann aber vielen klar, dass ihre Möglichkeiten, innerhalb eines Jahres materielle Hilfe zu leisten oder vor Ort die Dinge dauerhaft zu verändern, begrenzt sind. Es geht vielmehr darum, mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen, sie zu verstehen und sich auf sie einzulassen, und zwar ohne Vorurteile. Und es ist uns ganz wichtig, zu vermitteln, dass es dafür vor allem Offenheit und Respekt bedarf!



* Reicht ein Jahr überhaupt aus, um Teil einer Lebenswirklichkeit, einer Denkweise in einer anderen Kultur zu werden – oder bleibt man als MaZ doch eher Beobachter „von außen“?

Das kommt natürlich immer ganz auf das Einsatzland und -feld an und auf die Persönlichkeit des Missionars auf Zeit. Am Anfang denken viele: Ein Jahr ist ganz schön lang. Im Rückkehrerseminar heißt es meistens einhellig: Die Zeit war viel zu kurz! Dennoch reicht sie meist aus, damit die jungen Menschen Feuer fangen – und sich aus ihrem Glauben heraus nachhaltig für eine gerechte und geschwisterliche Welt einsetzen.



* Welche Eigenschaften muss ein MaZ für eine achtsame, respektvolle Begegnung mit anderen Menschen und Kulturen mitbringen?

Offenheit – und die Bereitschaft, seine eigenen Bedürfnisse eine Zeit lang zurückzustellen. Man muss ein guter Zuhörer und Beobachter sein. Und man muss anderen Menschen respektvoll und ohne Vorurteile begegnen können.




Die Missionarin auf Zeit Anna Sailer in Kenia: MaZ bedeutet, sich ein Jahr lang respektvoll und achtsam auf andere Menschen und Kulturen einzulassen. (© Markus Frädrich)
* Wenn einem MaZ ein unvoreingenommenes Eintauchen in eine andere Kultur geglückt ist: Freut man sich als MaZ-Koordinator?

Unbedingt! Das ist die Ernte unserer Arbeit. Wenn ich beim Rückkehrerseminar jungen Menschen begegne, die von ihrer eigenen Entwicklung überrascht und überwältigt sind, bin ich oft ähnlich überwältigt.


* Wenn man als MaZ ein Jahr lang anderen Menschen und Kulturen auf Augenhöhe begegnet ist: Was nimmt man aus dieser Begegnung fürs Leben, für den Alltag zurück in Deutschland mit?

Viel Gelassenheit – und eine ordentliche Portion Offenheit gegenüber Fremden. Viele MaZ sagen, dass sie nach ihrem Einsatz auch ihre Heimat mit anderen Augen sehen und sich viel besser in Menschen hineinversetzen können, die am Rand der Gesellschaft stehen. Wenn man selbst mal erlebt hat, wie es ist, in der Fremde fremd zu sein, zollt man viel eher jenen Menschen Respekt, die im eigenen Land in derselben Lage sind.








MaZ-Koordinator Markus Woettki mit Rückkehrern: „Wenn die Missionare auf Zeit am Ende von ihrer eigenen Entwicklung überwältigt sind, bin ich oft ähnlich überwältigt.“ (© Pater Vaclav Mucha)


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Autor: Markus Frädrich / Steyler Missionare - 22.10.2016
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